Umweltbewegung in der DDR

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Wasser

In der DDR standen in einem Jahr 1.085 m³ potenzielles Trinkwasser pro Einwohner zur Verfügung, in einem trockenen Jahr sogar nur 500 m³. 

In Europa lag der Vergleichswert pro Einwohner bei 3.000 m³. 
Von 2,5 Mrd. m³ Wasser wurden 66 % für die Haushalte genutzt, der Rest ging an die Industrie und Landwirtschaft. Es wurden vor allem die Fließgewässer extrem stark genutzt. Zum Beispiel die Saale 5- bis 7-mal, in Trockenperioden bis zu 13-mal. Die am stärksten verunreinigten Flüsse waren die Schwarze Elster und die Mulde.
In der DDR waren 15,5 Mio. Menschen ans Trinkwassernetz angeschlossen, das sind 93 % der damaligen Bevölkerung.
(Quelle: Umweltreport DDR, Frankfurt a. M. 1990, S. 97 ff)
 
 
 
(Quelle: Umweltbericht der DDR, o.O., 1990, S. 39)
 
Die Karte zeigt für das Gebiet in und um Potsdam gute durchschnittliche Werte, bezogen auf die hygienischen Eignungsklassen der Grundwasserbeschaffenheit.
 
„… in den 50er und 60er Jahren wurden in der DDR Wassergräben an jedem Acker angelegt, damit das Wasser in einen Graben laufen konnte. Von einem kleinen Graben in einen etwas größeren und dann in einen Fluss. Man war darauf fokussiert, das Wasser so schnell wie möglich ablaufen zu lassen. Das Problem an der Sache war: Ist das Wasser weg, fehlt es im Grundwasser, in der normalen Bewässerung. Es kommt zu einem Mangel. Deswegen wirkt der Klimawandel gegenwärtig in Brandenburg besonders stark. (…) Aber auch heute ist dies eine Diskussion unter den Bauern.“ Carsten Linke zur Frage nach Fehlern im Umgang mit dem Oberflächenwasser
 
Ursachen für die Wasserverschmutzung: 
Industrie
Landwirtschaft
Abwasser aus Haushalten
 
 
Industrie
 
Die Region um Bitterfeld war der wohl am stärksten umweltbelastete Raum in Europa. Durch die Industrie gab es eine hohe Gewässerbelastung, speziell durch Schwermetalle und chlororganische Stoffe. Z. B. gab es durch die Karbidproduktionen in Buna viel zu hohe Quecksilberwerte im Abwasser. 
 
In Pirna gelangten durch ein Zellstoffwerk schadstoffhaltige Abwässer in die Elbe. 
 
Für die Braunkohleförderung waren großflächige Grundwassersenkungen nötig. Dies führte zu grundlegenden Störungen des Grundwassergleichgewichts und zur Verringerung der Grundwasservorräte. Zusätzlich gefährdeten Ablagerungen von Chemieabfällen in den Braunkohletagebauen das Grundwasser. Außerdem fielen bei der Braunkohleveredelung und in der chemischen Industrie Abfälle an, die zu einer Verschmutzung im Grundwassersystem führten.
(Quelle: Umweltreport DDR, Frankfurt a. M. 1990, S. 99 f) 
 
„Die Wasserqualität wurde z.B. von einem Jahr zum anderen schlechter. Hättest du in der Havel mit offenen Augen gebadet, dann hättest du wahrscheinlich später zum Augenarzt gemusst“´. Matthias Platzeck, heutiger Ministerpräsident von Brandenburg, zum Thema Wasser
 
 
Landwirtschaft
 
In der DDR gab es riesige Zuchtanlagen mit rd. 150.000 Schweinen und 40.000 Bullen. Dadurch herrschte ein extremes Gülleproblem. Es fielen jährlich ca. 20 Mio. Tonnen Gülle an, die größtenteils auf den Feldern ausgebracht wurden. Außerdem waren die Düngung und der Pestizideintrag der industrialisierten Landwirtschaft Ursache für die Überschreitungen der Grenzwerte von Schadstoffen im Grundwasser. Trinkwasserreserven waren dadurch z. T. bedroht.
(Quelle: Umweltreport DDR, Frankfurt a. M., 1990, S. 68)
 
Die Aussage einer Beschäftigten des Havelobst-Anbaugebietes verdeutlicht dies noch stärker: „Du musst am Tag deine zweitausend Liter spritzen, also immer voll auf Düse, sonst schaffst du das nicht. Obwohl für den Fleck vielleicht ein Viertel von dem Gift reichen würde. Und das Gift geht in den Boden, ins Grundwasser und dann schluckst du es selber“.
(Quelle: Gabriele Eckhart: So sehe ich die Sache. Köln 1984, S.36)
 
 
Abwasser 
 
Es wurde viel zu wenig Geld in die Abwasseraufbereitung investiert. Insgesamt waren 72,6 % der Einwohner an die öffentliche Kanalisation angeschlossen, davon 57,7 % auch an die öffentliche Abwasserbehandlung. Diese verfügten zum großen Teil nur über sehr geringe Wirkungsgrade. Von der zentral erfassten kommunalen Abwassermenge wurden etwa 12% unbehandelt in die Gewässer geleitet, 36% wurden mechanisch und 52% mechanisch- biologisch behandelt.
(Quelle: Umweltreport DDR, Frankfurt/M., 1990, S. 100)
 
 
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