Umweltbewegung in der DDR

Home | Luft | Verkehr | Abfall | ARGUS | Wasser | Stadterhalt | Überwachung | Wir über uns


Stadterhalt in Potsdam

Zweite Stadterweiterung Potsdam

Erhalt der historischen Innenstadt

Bedrohung der Barocken Altstadt 

 

Zu Zeiten von Friedrich Wilhelm I. wurde Potsdam durch die zweite barocke Stadterweiterung ab 1730 fast in seiner Größe verdoppelt. Sie geht von der Charlottenstraße bis zur Hegelallee, vom Luisenplatz bis zum Holländischen Viertel. Dort wurden Handwerker, Bürger und ihre Familien angesiedelt. Die barocke Altstadt besteht ursprünglich überwiegend aus Fachwerkhäusern, die teilweise im 19. Jahrhundert verändert wurden. Dieses Kulturerbe war in der DDR bedroht, da es für den Staat wirtschaftlicher war mit der Plattenbaumethode neue Häuser zu bauen, als die bestehenden zu restaurieren. Durch diese Baupolitik wurden weite Teile der barocken Altstadt dem Zerfall und dem Abriss preisgegeben. Bürger mussten in andere Wohngegenden umsiedeln, meist in Plattenbausiedlungen. Obwohl die Altstadt unter Denkmalschutz stand, wurde bis zum Jahr 1989 die Zahl der denkmalgeschützten Häuser von 389 auf 300 verringert.
 
„In den letzten 40 Jahren sind also genau so viel der Häuser verschwunden, wie in den 200 Jahren davor.“ (Quelle: Ingo Lamberty, „Ersatz aus dem Plattenkombinat“, Tagesspiegel v. 3.9.1989).
 
Da so viele Häuser in einem „schleichenden Prozess“ abgerissen wurden, schaltete sich die Bürgerinitiative ARGUS in das Geschehen ein. ARGUS versuchte mit Informationen über den historischen Wert des Viertels und über die Sanierungsmöglichkeiten sowie mit Protest gegen die offizielle Politik Veränderungen zu erreichen.
Seit der Wende sind nun die meisten, der noch bestehenden Altbauten, restauriert.
 
Zeichnug von Natascha Saremba, nach einer Karikatur im "Eulenspiegel" (1984)
 
Abriss des Stormhauses
 
 „…Häuser mit Geschichte haben immer eine Individualität, die kann man mit einer 1,1 t-Bauweise nicht erreichen.“ Frau Hüneke
 
Anfang August 1989 wurde das ehemalige Stormhaus (Dortustraße 68) trotz entschiedener Proteste abgerissen. Dort wohnte Theodor Storm von 1854 bis 1856. Gegen diese Abrissplanung setzte sich die Gruppe ARGUS besonders ein. Sie protestierten beim Landesdenkmalpfleger, beim Oberbürgermeister, Kulturminister, DDR-Schriftstellerverband und beim Staatsratsvorsitzenden und sie baten die Stormgesellschaft in der Bundesrepublik um Unterstützung. Außerdem nutzten sie jede Möglichkeit, um öffentlich gegen den Abriss zu argumentieren und belegten mit Fotos, dass das Stormhaus noch keinesfalls baufällig gewesen ist.
Trotz allem wurde die Dortustraße (66-74) komplett abgerissen.
 
„Das Stormhaus fällt kurz vor der Mauer. Die Verantwortlichen bleiben im Amt.“
Bob Bahra, ARGUS
 
 

Chronologie

wichtiger Ereignisse in der DDR und in Potsdam


Diese Auswahl soll helfen, die genannten Fakten in einen Überblick zu bringen. Es besteht kein Anspruch auf Vollständigkeit. S. Hesse

Datum

Ereignis in der DDR

in Potsdam

Osteuropa/Sowjetunion

Mai-Juni1968


Sprengung der Ruine der Garnisonskirche


Juni1975

Denkmalpflegegesetz der DDR



Juni1976


Der Rat der Stadt Potsdam stellt die barocke „Zweite Stadterweiterung“ unter Denkmalschutz


Sept.1980



Gründung der polni­schen Gewerkschaft

Solnidarność

März1985



Sowjetunion: Wahl von Gorbatschow zum Generalsekretär

Nov.1987


Beschluss der StVV zur „Rekonstruktion der Innenstadt“, Folge: Abrisse


1988



Streikwelle in Polen

April 1988


Gründung von ARGUS als Arbeitsgemeinschaft für Umweltschutz und Stadtentwicklung


Nov. 1988

Verbot der sowjet. Zeitschrift „Sputnik“



Mai1989

Kommunalwahlen; Ergebnisse gefälscht


Grenzanlagen zwischen Ungarn und Österreich werden abgebaut

Juni 1989


Pfingstbergfest von ARGUS


Aug. 1989

Beginn der Massenflucht aus der DDR



9./10. Sept.

Gründung des Neuen Forums



25. Sept.

1. Montagsdemonstration in Leipzig



7. Oktober

Feiern zum 40. Jahrestag der DDR

Protestdemonstration auf der Klement-Gottwald-Str. (= Brandenburger Str.)


18. Okt.

Rücktritt von Honecker



30. Okt.

Massendemonstrationen in der ganzen DDR



4. Nov.

Großdemonstrationen, etwa eine Mio. in Ostberlin



9. Nov.

Ankündigung der Öffnung der Westgrenze; Sturm der Grenze durch DDR-Bürger („Mauerfall“)



10. Nov.


Öffnung der Glienicker Brücke


21. Nov.


ARGUS ruft zur Gründung einer „Grünen Liga“ auf


3. Dez.

Politbüro und Zentralkommitee treten zurück



5. Dez.

Die Leitung des Ministeriums für Staatssicherheit tritt zurück

Sicherung des MfS durch VertreterInnen der Bürgerbewegung


7. Dez.

Beginn des „Runden Tischs“



Feb.1990

Auflösung des Ministeriums für Staatssicherheit



18. März

Freie Wahlen



3. Okt. 1990

Sog. „Wiedervereinigung“




Quellen: S. Grabner, H. Röder, Th. Wernicke (Hg.): Potsdam 1945-1989. Zwischen Anpassung und Aufbegehren, Brandenburgische Landeszentrale für politische Bildung 1999;

E. Baumann, W.-R. Baumann et al.: Der Fischer Weltalmanach Sonderband DDR, Frankfurt/M. (Fischer) 1990

potsdam-chronik.de/Potsdamchronik/Chronik/1946-1989/1946-1989.html

7953 Besucher bisher