Umweltbewegung in der DDR

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ARGUS Potsdam

 

In der DDR war ein Engagement für Umweltschutz lange Zeit nur unter dem Dach der Kirche möglich. Ab Mitte der achtziger Jahre schuf der Staat die Möglichkeit, sich auch innerhalb des staatlichen Kulturbundes für Umweltschutz zu engagieren. Im Kulturbund war eine, wenn auch begrenzte, Öffentlichkeit möglich. Das heißt, dass Umweltgruppen innerhalb des Kulturbundes in der Zeitung Veranstaltungen ankündigen und unter Auflagen auch eigene Publikationen herausgeben konnten, die der Zensur unterlagen. 

 

 

 
Dem Engagement in Umweltgruppen des Kulturbundes waren enge Grenzen gesetzt, denn die Mitglieder wurden von der Staatssicherheit überwacht. Die Gruppen wurden von Spitzeln durchsetzt. In Potsdam gab es z.B. ARGUS (Arbeitsgemeinschaft Umweltschutz und Stadtgestaltung). Bei der Gründung waren ca. 5 –10 Personen beteiligt. Diese Zahl vermehrte sich in den Zeiten der friedlichen Revolution rapide. Bis in die 90er Jahre waren es Hunderte, die gegen die Umweltbelastung in Potsdam vorgingen. Besonders wichtig war es für die Mitglieder, ihre Erkenntnisse an die Öffentlichkeit zu bringen. Sie verteilten „ARGUS-Blättchen“, organisierten im Kulturbund Treffen, sammelten Unterschriften und versuchten denkmalgeschützte Gebäude in Potsdam vor dem Abriss zu retten. Die Mitglieder von ARGUS waren Menschen, die viel von der Umweltsituation in der DDR wahrnahmen und sich trauten öffentlich dagegen vorzugehen. 
 
„Und wir wollten uns den lokalen Umweltproblemen hier in Potsdam 
widmen. Das waren insbesondere Fragen der Luftreinhaltung und der Müllbehandlung.“ Matthias Platzeck
 
 
Gruppenfoto der ARGUS-Mitglieder                 Foto: Christoph Janecke
 
Carola Stabe gehörte zu denen, die etwas ändern wollten. 1988 war sie ein Gründungsmitglied von ARGUS und zugleich dessen erste Leiterin. Carola Stabe wurde schon in ihrer Kindheit mit dem Thema Umwelt konfrontiert. Sie sah zum Beispiel, dass Seen und das Grundwasser durch Düngemittel und Pestizide verseucht wurden, die in die Erde versickerten und wodurch viele Menschen, vor allem Kinder, erkrankten. Die Daten zur Umweltsituation konnten aber nicht öffentlich und schon gar nicht kritisch diskutiert werden, da sie von der Regierung geheim gehalten wurden
 
„Ich habe immer gespürt, dass die eigentlich wissen, was da draußen los ist, aber dass sie es nicht wissen wollen, weil sie eigentlich nur ihre Macht erhalten wollten.“ Carola Stabe
 
Carola Stabe studierte Geschichte und wollte Lehrerin werden. Als sie sich entschied in den Kulturbund zu gehen, um gemeinsam mit anderen eine Umweltgruppe zu gründen, änderte sich ihr Leben. Einen großen Teil ihres Alltags nahm jetzt die Arbeit für die Bürgerbewegung ARGUS ein. Doch nicht nur ARGUS griff in das Leben von Frau Stabe ein. Die Arbeit in der Bürgerinitiative hatte zur Folge, dass sie und andere Mitglieder der Gruppe von der Staatsicherheit überwacht wurden. Frau Stabe war seit diesem Zeitpunkt von Angstgefühlen durch die ständige Überwachung geplagt. Mitarbeiter des MfS lauerten rund um die Uhr vor ihrer Haustür. Bei einer Fahrt auf der Autobahn wurde sie z.B. von einem Pkw die ganze Zeit über verfolgt und verlor dabei fast die Kontrolle über ihr Auto. Dies sind alles Erlebnisse, die man nie wieder vergessen kann und das Leben prägen. Vielen Menschen in der DDR erging es so und sie sind heute zum Teil noch seelisch oder körperlich tief verletzt. Das schlimmste für die Opfer heute ist, dass die Täter nie zur Rechenschaft gezogen wurden und es so noch schwerer fällt mit diesem Thema abzuschließen.
 
 
  
Stasiakten aus dem Archiv der BStU 
 
 
 
 
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