Umweltbewegung in der DDR

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Abfallwirtschaft

Deponien 
 
Das Hauptproblem in der Abfallwirtschaft der DDR lag dort, wo der Abfall abgelagert wurde, also auf den Deponien. Für diese herrschten nur minimale Sicherheitsvorkehrungen.
Es war noch nicht einmal zwingend gesetzlich vorgeschrieben, die Deponien zu umzäunen. Durch Deponiesickerwasser, das meistens nicht aufgefangen wurde, kam es häufig zur Grundwasserverseuchungen, die durch die Giftmüllimporte noch verstärkt wurden. In einer ABI-Kontrolle (Arbeiter- und Bauerninspektion) wurden 1985 in der DDR 4870 kontrollierte und 7437 wilde Deponien festgestellt (aus: Umweltreport DDR 1990, S. 80).
Von den kontrollierten Deponien entsprachen nur 920 den ohnehin mageren Vorschriften; also Basisabdichtung, Sickerwassererfassung und Einfuhrkontrollen. Zudem wurde wenig auf die Lage der Deponien geachtet: 
Beispiel: 21 kontrollierte Deponien bei Karl-Marx-Stadt in Trinkwasserschutzgebieten, 146 an fließenden Gewässern. 
Kontrollen waren wegen fehlender Messtechnik nur begrenzt möglich. Zu einer Schließung einer Deponie kam es jedoch in der DDR-Geschichte nicht (ebd., S. 81).
 
 
Müllverbrennung
 
Müllverbrennung fand nur in geringem Umfang statt. Insgesamt gab es dafür in der DDR 36 Anlagen, die weit unter den Standards der BRD lagen. Es gab nur Rauchgasfilter und keine Rauchgaswäsche. Durch Verbrennung von PVC lag eine starke gesundheitliche Belastung der umliegenden Bevölkerung vor. 
 
 
Hausmüll
 
Positiv war das allgemein geringe Aufkommen an Hausmüll. So produzierte jeder Einwohner im ehemaligen Bezirk Potsdam nur rund 2,3 m³ Hausmüll (aus: Umweltbericht der DDR, 1990, S. 164). Im Jahre 1988 wurden in der DDR 91,3 Mio. t Abfälle (industrielle Abprodukte, Abfälle und Hausmüll) produziert. Von industriellen Abprodukten konnten 40% wiederverwertet werden. In Sammelstellen (Sero) konnten Glas, Flaschen, Papier (Pappe, Bücher, Zeitung), Lumpen und Plastik abgegeben werden.
 
 
1984 sparte die DDR dadurch rund 6 Mrd. Mark an Rohstoffimporten. 
21,8 Mio. m³ Müll wurden auf geordneten Deponien abgelagert (ebd., S. 76).
Zu dem großen Rest wurden keine Angaben gemacht; es ist davon auszugehen, dass dieser auf wilden Kippen abgelagert wurde.
Auch heute noch steht illegale Müllbeseitigung bei skrupellosen Müllhändlern auf der Tagesordnung, seit drei Jahren darf Müll nicht mehr deponiert sondern nur noch in Müllverbrennungsanlagen verbrannt werden, das ist allerdings einigen Müllhändlern zu teuer und so beseitigen sie die Abfälle auf illegalen Kippen u. a. in Brandenburg. So wurde erst im September 2008 von der Brandenburger Polizei ein Geschäftsmann festgenommen, der südlich von Berlin seit 2006 in einer Kiesgrube 166 000 Kubikmeter Müll zwischen Sand und Kies vergraben hat (aus: Der Spiegel 39/2008, S. 32).
 
So sah ein Mülltonnenbrand aus                 Foto: Christoph Janecke 
 
 
 
Brennende Mülltonne in Potsdam 1989         Foto: Christoph Janecke
 
Bei dem Hausmüll gab es in der DDR keine Trennung so wie heute, zeitweilig wurden allerdings separate Speckitonnen für Küchenabfälle genutzt. 
 
„Der Hausmüll wurde mit der Asche in Tonnen geschmissen. Das führte zu Schwelbränden in den Mülltonnen und dem entsprechenden Gestank!“
Carsten Linke
 
Routine-Einsatz der Potsdamer Feuerwehr    Foto: Christoph Janecke 
 
Argus nahm das Thema Mülltrennung 1989 in Angriff. So bemalten die Mitglieder in der Hebbelstraße in Potsdam Mülltonnen mit verschiedenfarbigen Deckeln, die sie paarweise aufstellten. Die Tonne mit dem orangefarbenen Deckel war für die Asche, die mit dem blauen für den Hausmüll. Dies wurde in der ganzen Straße vollzogen, was zur Geruchsminimierung führte.
 
„Die Leute waren begeistert! Die Stadtreinigung hat das leider nicht übernommen, der zu hohen Kosten wegen.“ Carsten Linke
 
Dazu sagte uns Herr Janecke:
„ Aber das hat nicht geklappt, weil die dann erkaltete Asche ohne andere Teile mit den Müllautos schlecht transportiert werden konnte. … Also ist man davon abgekommen und hat gesagt, es war ein Versuch, es hat nicht geklappt, die Bevölkerung muss wirklich darauf achten, keine heiße Asche mit in die Container zu schütten.“
 
 
Müllimporte
 
Die DDR importierte aus der BRD jährlich 5 Mio. t Müll:
- 685 000 t Giftmüll
- 200 000 t Klärschlämme 
- 3 Mio. t Bauschutt 
- 1,5 Mio. t Hausmüll 
- mehrere tausend t verunreinigte Böden (ebd., S. 84). 
Zum Vergleich: Im Jahr 2007 importierte Deutschland rund 6,2 Mio. t genehmigungspflichtige Abfälle: „Genehmigungspflichtig sind Abfälle mit gefährlichen Inhaltsstoffen wie Altöl oder bleihaltige Abfälle sowie andere, mit Umweltrisiken behaftete Materialien.“ (aus:http://www.proherten.de/pdf/genehmigungspflichtiger_%20Abfall_2007.pdf)
Die DDR war aber überhaupt nicht in der Lage, die Stoffe entsprechend zu entsorgen. Durch diese Müllimporte verdiente die DDR rund 1 Mrd. DM, dazu kamen noch die anderen Mengen aus anderen westlichen Staaten.
Die meisten Deponien waren nicht für Giftmüll ausgelegt, d. h. es gab keine Erfassung des Sickerwassers und keine doppelte Basisabdichtung.
 
„Heute kommt eine Plastik- oder Betonschicht unter solche Ablagerungsstätten, um das darunter liegende Erdreich zu schützen. Das war in früheren Jahren nicht der Fall.“ Christoph Janecke 
 
Zum Beispiel war die Kippe Vorketzin nur für Hausmüll ausgelegt, trotzdem wurden jährlich
40 000 t Sondermüll aus West-Berlin dort abgelagert (ebd., S. 85). Dies führte zu Grundwasserverunreinigung.
 
[Quelle: http://www.zueblin.de/hut/Deponie-Vorketzin-dt.pdf ]
 
So mussten Zossen und Wusterhausen an die zentrale Wasserversorgung angeschlossen werden.
 
„Westberlin war von der DDR umgeben und so hat die DDR natürlich mit Kusshand den Müll entgegengenommen, denn Westberlin konnte ja gar nicht anders, als den Müll ins Umland loszuwerden und die DDR hat natürlich auch Geld bekommen, was im Währungsausgleich wertvoll war und sie haben sich über jedes bisschen gefreut, was sie einnehmen konnten.“ Christoph Janecke
 
„In Schönberg ist es ähnlich: Haus- und Sondermüll werden entgegen üblichen Standards gemischt gelagert. Die Hoffnung auf eine Beruhigung der chemischen Reaktionen im Deponieinneren müssen sich nun nicht zwangsläufig erfüllen“ (ebd., S. 85). Diese Deponie hatte zudem einen Sonderstatus, da sie im Grenzgebiet lag und daher nur bedingt Kontrollen möglich waren und keine Privatpersonen vorbei kamen. Nach den Recherchen von Ekkehard Siekert wurden dort die 41 Giftmüllfässer mit hochgiftigem Dioxin von der Katastrophe von Seveso, die in einer Chemiefabrik von Roche stattfand, abgelagert.
Auf den Deponien kam es zu chemischen Reaktionen, weil teilweise das Sickerwasser über den Deponien verregnet wurde. 
Die DDR versuchte den Staaten, aus denen sie Müll importierte, weiszumachen, dass sie auf demselben Niveau der Müllbeseitigung wie die anderen europäischen Staaten arbeite. „Es interessierte die Natur wohl wenig, wenn westlicher Müll mit westlichem Know-how deponiert wird, dafür aber der Ostmüll, der nicht weniger gefährlich ist, unbehandelt in die Natur entlassen wird“ (ebd., S. 85). Die Kosten der Beseitigung von einer Tonne Sondermüll lagen in der BRD zwischen 300 und 4000 DM, so war es doch verwunderlich, dass die DDR für eine Tonne Giftmüll nur 150 DM verlangte (ebd., S. 86).
 
 
Quellen:
Ulrich Petschow/Jürgen Meyerhoff: Umweltreport DDR, Frankfurt a. M.,1990
Institut für Umweltschutz Berlin (West): Umweltbericht der DDR, o. O., 1990
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